Medicine Mountain - Learn to Love in Seven Days __
An sieben Orten im Land Salzburg werden Performances umgesetzt, die in alpinen folkloristische Traditionen ihren globalen Äquivalenten nachspüren und dabei wird speziell auf das Spiel der Geschlechter fokussiert. Die Performances werden filmisch aufgenommen und zu einer zusammenhängenden Geschichte montiert. „Medicine Mountain“ untersucht mythische Grundbegriffe, die global auf die Alpen projiziert werden und diese zu einem medialen Trägerort machen.
Die Bilder, die von den Briten bis hin zur zeitgenössischen indischen Filmindustrie von den heroischen Berglebewesen gezeichnet werden sind heterosexuelle. Von glücklichen Bergbauernfamilien über die Trapps und viktorianischen Sommerfrischler bis hin zu frisch verliebten indischen Pärchen. Auf der alpinen Seite haben wir die Perchten – wie die Hobagoass. Ein ziegiges Zwitterwesen, das mit seinen sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtsmerkmalen selbst den Krampus in den Schatten stellen kann oder etwa die Hl. Kümmernis, eine bärtige Frau.
In sieben Episoden werden verschiedene Facetten recherchiert und performativ aufgearbeitet. Sowohl die Kultur- und Rezeptionsgeschichte, die Selbst- und Fremdbilder, als auch die konkrete Dramaturgie der zeremoniellen Praxis, wie die handwerklichen Fertigkeiten in diesen Traditionen werden untersucht und auf die Bühne gebracht.
TERMINE
7 Performances in Stadt und Land Salzburg
6. bis 12. Dezember 2010
Ausstellung im Atelier Peter Haas,
Künstlerhaus, Hellbrunner Str. 3, 5020 Salzburg
Eröffnung: 23. März 2011, 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer 24. bis 27. März 2011, 12:00 - 19:00 Uhr
Medicine Mountain - Learn to Love in Seven Days __
eingereicht von Atelier Kozek Hörlonski (Peter Kozek, Ruby Sircar, Thomas Hörl, Wolfgang Meisinger)
Das Projekt nähert sich dem Begriff des „Exotischen“ vor dem Hintergrund postkolonialer Studien sowie avancierter Gender-Theorien und stellt dabei Fragen nach der Konstruiertheit von Mythen, von Traditionen, von „Gender“ und sogar von Landschaften. Ausgehend von der Feststellung, dass das „Exotische“ immer auch ein Frage der jeweiligen Perspektive ist (von England oder den USA aus gesehen sind sowohl die Alpen wie der Himalaya „exotische Orte“), behandelt das Projekt diesen Begriff in all seinen Facetten. Auf der einen Ebene geht es um Fake-Landschaften wie sie sowohl im Hollywood-Musical "Sound Of Music" vorkommen (wo das Bild/Image von Salzburg erst am Schnittplatz zusammenkonstruiert wurde) als auch in diversen Bollywood-Produktionen, bei denen nun die Alpen als Himalaya-Double mitspielen. Die Wahl des Mediums Film (aber auch des Theaters) als jene Kunstform, bei der es immer schon um Fakes, Inszenierungen, künstliche Landschaften/Paradiese ging, überkreuzt sich so gesehen auch mit der zweiten Ebene, jener der Gender-Diskurse. Hier wird das Thema der Masken, Maskierungen und Kostüme bei alpinen Bräuchen (Perchten, Hobagoas) und indischen Göttern (Vishnu, Krishna) wörtlich genommen und als "Spiel der Geschlechter" hinterfragt. Der vielversprechende dekonstruktivistische Ansatz fragt dabei nicht nur nach dem Geschlecht der in den Bergregionen "tanzenden Genderbilder" (männlich, weiblich, queer), sondern versucht auch verborgene "Travestiemomente" zu enthüllen. Dabei werden scheinbar seit ewigen Zeiten existierende "folkloristische Traditionen" ebenso als "erfundene" Traditionen, als "Inszenierungen" (etwa in der Zeit des Nationalsozialismus) entlarvt wie als Crossdressing und Travestie dargestellt. Das Heimelige erscheint als Unheimliches bzw. Heimliches (im Sinne von Verstecktem, Geheimem). Jurybegründung
Kontakt __
Thomas Hörl +4369910937640
contact@kozek-hoerlonski.com

