FORUMTHEATER DALLI DALLI SCHWEISSFABRIK __
Ein Arbeitstag in der Firma Prekär-Express:
Die ArbeiterInnen werden von verschiedenen Leihfirmen an den Betrieb vermittelt. Jede und jeder hat sein/ihr eigenes Problem: die gestresste Baljeed mit ihren kleinen Kindern, die sdie Arbeit dringend braucht um ihr Visum verlängern zu können, Rooble, der seine Familie aus Afrika nachholen will und Angst hat, seinen Job zu verlieren, die gewissenhafte Vorarbeiterin Frau Jamal, die trotz vieler Arbeitsjahre nicht von der Firma fix übernommen wurde und noch immer über die Leihfirma angestellt ist...
Die Arbeitsbedingen der Frauen sind das zentrale Thema der Talktogether-Veranstaltung zum Internationalen Frauentag. Damit erinnern wir einerseits an das historische Vorbild, die Textilarbeiterinnen in den USA nach der Jahrhundertwende, EinwanderInnen, die in Amerika auf ein besseres Leben gehofft hatten und dort in den Sweatshops unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten mussten – eine Situation, in der sich auch heute weltweit viele Lohnabhängige befinden.
Im Zuge der Globalisierung hat auch in Europa eine sog. Flexibilisierung stattgefunden. Prekäre Arbeitsverhältnisse wie in Leihfirmen sind weit verbreitet, betroffen sind vor allem MigrantInnen und Frauen. Zeitarbeitsverhältnisse bedeuten Verunsicherung und machen eine Lebensplanung immer schwieriger. Hinzu kommt, dass die Organisierung (Gründung eines Betriebsrats) unter diesen Verhältnissen fast unmöglich gemacht wird. Außerdem scheuen sich viele Menschen aus Unsicherheit oder Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ihnen zustehende Rechte einzufordern.
In einer Zeit, in der Lohnabhängige untereinander in Konkurrenz stehen, bekommen rechte Kräfte Aufwind, die die Unsicherheit der Menschen ausnützen, um Rassismus zu schüren. Aus diesem Aspekt erscheint es uns wichtig, die Menschen aufzuklären und über ihre Rechte zu informieren, um so die Spaltung zwischen den Lohnabhängigen zu überwinden.
Um das Publikum herauszufordern und Stellungnahmen zu dieser aktuellen Situation zu provozieren, haben wir uns für die interaktive Methode des partizipativen Forumtheaters entschieden. Die ZuschauerInnen bleiben dabei nicht passiv, sondern können selbst in die Handlung einsteigen und sie in eine andere Richtung lenken. Damit wird versucht, das Gefühl der Ohnmacht („Wir können ja nichts verändern“) zu überwinden.
Im Rahmen von "DALLI-DALLI SChweißfabrik" werden folgende Fragestellungen mit dem Publikum diskutiert:
- Wie ist es möglich, persönliche Betroffenheit umzusetzen in ein Verständnis für die gesellschaftlichen Situation und die eigenen Rolle darin?
- Wie ist es möglich, Solidarität zu praktizieren, uns zu organisieren, und uns gegen die Verhältnisse, unter denen wir leiden, zur Wehr zu setzten?
Das erste Zwischenergebnis wurde zum ersten Mal im Rahmen der Talktogether-Veranstaltung zum Internationalen Frauentag am 13. März präsentiert. Danach entstand eine angeregte Diskussion mit dem Publikum über die angesprochene Thematik, in der der Wunsch nach einer Fortführung des Projekts und die Planung weiterer Projekte dabei geäußert wurden und einige BesucherInnen ihr Interesse an der Teilnahme an dem Projekt bekundet haben. Das Stück soll das Stück weiterentwickelt werden und weitere Veranstaltungen sind in Planung, voraussichtlich im März 2011 um den Internationalen Frauentag herum.
TERMIN
Aufführung:
26. März 2011, 18:00 Uhr
Antoniussaal Itzling, Kirchenstraße 34, 5020 Salzburg
FORUMTHEATER DALLI DALLI SCHWEISSFABRIK __
eingereicht von Verein Salzburg - Kommunikation & Kultur / Beate Wernegger
Dieses Projekt möchte mit MigrantInnen als gleichberechtigten Mitwirkenden gemeinsam eine künstlerische Bearbeitung gesellschaftlicher Verhältnisse in Angriff nehmen.
Darüberhinaus nimmt „Forumtheater Dalli-Dalli Schweiß-Fabrik“ die Situation am Arbeitsplatz in den Fokus, ein von der Kunst gerne vernachlässigter gesellschaftlicher Bereich. Gegen den neoliberalen Mainstream darauf zu beharren, dass nicht jede/r
ihres /seines Glückes Schmied ist, sondern wir immer noch gesellschaftliche, vergesellschaftete und zur Solidarität fähige Ausgebeutete einer kapitalistischen Ökonomie sind, ist daher kein unschicker Anachronismus, sondern dringend notwendige Intervention, die in Zeiten umfassender Kulturalisierung gesellschaftlicher Konflikte vielleicht eben von Seiten der Kultur kommen muss. Das Mittel, mit dem Dalli-Dalli Schweiß-Fabrik die Frage nach Möglichkeiten von solidarischem Handeln stellt, das Forumtheater nach Augusto Boal, ist ein in Lateinamerika entwickeltes, in Europa vielleicht zu wenig genutztes Verfahren, theatrale Mittel in den Dienst gesellschaftlicher Veränderung zu stellen. Eine Adaption des Forumtheaters an europäische Verhältnisse ist jedenfalls ein spannendes Vorhaben. Wir freuen uns auf eine aufschlussreiche Forumtheaterpräsentation von Dalli-Dalli Schweiß-Fabrik im März 2011. (Jurybegründung)
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